Lübecker Laienkanzel

 

Lübeck feiert 500 Jahre Reformation:

Vom 11. Dezember bis zum Oktober 2017 findet anlässlich des Reformationsjubiläums die „Lübecker Laienkanzel“ statt. In vielen Sonntagsgottesdiensten predigt jemand, dessen Hauptberuf nicht die Theologie ist. Persönlichkeiten aus der Öffentlichkeit werden unter den Stichworten „Mut-Macht-Mensch“ bedenken, was der Glaube und die Reformation für sie bedeuten. Die Gottesdienstreihe wandert durch die Kirchen der Stadt.

Dass Christen, und zwar sowohl Laien als auch Ordinierte, sich öffentlich zu Wort melden und zu Fragen unserer Zeit Stellung nehmen, ist in der evangelischen Kirche ausdrücklich gewünscht. Es bereichert und macht deutlich, dass der Glaube vielstimmig ist. Martin Luther begründete dieses Recht mit dem Priestertum aller Getauften und der Verantwortung eines Christenmenschen für die Sache Jesu. Zum 500. Geburtstag der Reformation soll dieses Recht und diese Pflicht unserer heutigen Zeit sichtbaren Ausdruck finden.

„Die evangelische Kirche lebt vom Dialog und der Vielstimmigkeit. Dazu trägt die Laienkanzel bei. Es ist ein starkes Zeugnis, wenn Menschen, die in öffentlicher Verantwortung stehen, bereit sind, darüber zu sprechen, was sie in ihrem Handeln leitet und wo der christliche Glaube ihnen Orientierung geben kann. Die Laienkanzel ist ein sichtbares Zeichen einer öffentlichen Wertedebatte in unserem Kirchenkreis. Das Format soll Mut machen, über den Glauben zu sprechen. Denn Christ sein gehört nicht nur in den privaten Kontext. Zeigen was man liebt und öffentliches Eintreten für christliche Werte wie Frieden, Gerechtigkeit, Nächstenliebe oder Bewahrung der Schöpfung ist nötig für eine offene und tolerante Gesellschaft“, so Pröpstin Petra Kallies. „Wie Luther einst sagte: ‚Dem Volk aufs Maul schauen‘. Was treibt die Menschen heute um? Welche Rolle spielt die Kirche in der Welt?“. Es sei deshalb bewusst gewollt, dass auch Nichtchristen zu Wort kommen.


2016 11 30 Laienkanzel 02Christian Schwandt, geschäftsführender Direktor des Theater Lübeck, wird im Sommer auf der Kanzel von St. Jakobi stehen. Sein Lieblingszitat von Martin Luther lautet: „Wie man nicht wehren kann, dass einem die Vögel über den Kopf herfliegen, aber wohl, dass sie auf dem Kopfe nisten, so kann man auch bösen Gedanken nicht wehren, aber wohl, dass sie in uns einwurzeln“. In seiner Predigt will er Bezug nehmen zum Thema „Mut macht Mensch“: „Dieses Motto hat mich überzeugt, einmal ein Laienprediger zu sein. Ich werde mich der Frage stellen, was es bedeutet, den evangelisch-lutherischen Glauben in der Politik zu leben“.
St. Jakobi-Pastor Lutz Jedeck kann viermal Laienprediger in der Kirche begrüßen und findet diese andere Form des Gottesdienstes sehr spannend: „Ich bin neugierig auf die verschiedenen Perspektiven“. Er begrüßt die Idee, Personen des öffentlichen Lebens zu Wort kommen zu lassen, „damit sie sagen können, was ihnen auf dem Herzen liegt“.



Foto: Pröpstin Petra Kallies, Pastor Lutz Jedeck und Christian Schwandt vom Theater Lübeck auf der Kanzel in St. Jakobi.

Autorin: Steffi Niemann